Qutub Minar – und der Weg dahin

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Das früheste und zugleich seltsamste Zeugnis islamischer Präsenz in Delhi ist die Siegessäule von Qutub Minar: ein 73m hoher Turm rötlichen Sandsteins mit einem Marmoreinsatz im oberen Turmbereich – eine Materialkombination, die 350 Jahre später typisch werden sollte für den Baustil der Mogulnherrscher, die um 1556 das afghanische Sultanat in Delhi ablösten.

Im sternförmig angelegten Metronetz der Stadt fehlt noch die direkte Ost-West-Verbindung, sodaß ich ab dem Flughafen auf den Bus angewiesen war. Niemand konnte mir allerdings trotz großer Hilfsbereitschaft verbindlich sagen, wo der nun abfuhr. So verließ ich den Flughafen zu Fuß auf der Standspur einer Autobahn; bald schloß sich mir ein freundlicher junger Mann an. Sämtliche Reiseführer warnen vor “zwielichtigen Elementen rund um den Flughafen, die sich die Unwissenheit der Neuankömmlinge zu nutzen machen”, und die genaue Intention seiner etwas aufdringlichen Begleitung wurde mir nicht ganz klar. Tatsächlich sicherte er mir nach einigem Fußmarsch einen Platz in einem unerwartet vorüberfahrenden, gedrängt besetzten Bus, dessen jointrauchender Fahrer großes Gefallen an meiner weißen Mütze fand, und übernahm trotz meines nachdrücklichen Protests den Fahrpreis. Wir gondelten beschwingt dahin und tauschten unter den argwöhnischen Blicken unserer Mitfahrer gestikulierend Angaben über unsere Familien. Als wir nach einigem Umsteigen in ärmlichen Vororten und etwa anderthalbstündiger Fahrt, eingeklemmt zwischen großen Säcken mit allerlei Krimskrams, den Eingang der touristischen Anlage erreichten, brachte er die Sprache auf meine hiesige Anstellung. Ungeniert fragte er nach meinem Gehalt und nahm, auf meine wahrheitsgemäße Auskunft hin, zu meiner Überraschung unvermittelt einen schnellen Abschied.