Ankunft

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Der Flug führte über die schmale Landbrücke der Türkei direkt in den Orient, Georgien und Aserbaidschan, Iran, Turkmenistan, Afghanistan, dann über Pakistan nach Delhi. Die Städtenamen, die ich auf dem Display mitverfolgte, klangen nach den Märchen von Tausendundeiner Nacht: Baku, Tiblisi, Taschkent, Kabul, Islamabad… Nach wolkenlosen, wunderschönen Ausblicken auf den Kaukasus und die karge Berglandschaft Irans im milden Licht des Sonnenuntergangs tauchten wir ein in die Nacht. Die in weiten Abständen auf der schwarzen Folie ausgestreuten, filigranen Lichterketten zivilisatorischer Ansammlungen wirkten so zart und verletzlich:  wie sensibel sind doch diese Netzwerke von Strom, Daten, Wasser, pulsierendem Verkehr, diese Polster,  die uns wie Watte einhüllen,  uns vom reinen Existieren abfedern, wie angreifbar und provisorisch diese komplexen Strukturen, die wir auf die Oberfläche der Welt gelegt haben!
Gegen Mitternacht Lokalzeit, nach 6390 Flugkilomotern, landete das Flugzeug in Neu-Delhi. Eine schwüle Hitze schlug mir entgegen, die schwere Luft der Monsunmonate, die mir noch bis Ende September zusetzen würde. Nach dem anstandslosen Passieren der Schalterbeamten, die ihre schwarzen Schnurrbärte zwirbelten, empfing mich sehr freundlich eine kleine Delegation, der Firmengründer und ein Mitarbeiter, die ich bereits in den iterierten Internetinterviews kennengelernt hatte.
Vorbei an streunenden Hunden und Müllsammlern mit hölzernen Handkarren fuhren wir in eine umzäunte Wohnsiedlung, zum guesthouse.
In den Gassen drehte ein mit einem Bambusstock bewaffneter, in regelmäßigen Abständen laut pfeifender Wächter seine Runden, während sich Geckos an den verhüllten Fenstern meines einfachen, komfortablen und klimatisierten Zimmers entlanghangelten.