Ferne Annäherungen

Indien-Lektüren

Indien-Lektüren

Welches Bild haben wir, habe ich von Indien?

Nachmittage mit dem überschaubaren Bestand indischer Reisebücher in der heimatlichen Stadtbibliothek ergaben den einschlägigen Stichwortkatalog: Sehnsuchtsort der Sinnsucher, “Subkontinent” der Extreme, mit derzeit 1,3 Milliarden Menschen bevölkerungsreichste Demokratie der Welt, Paradies vegetarischen Essens, orientalischer Zauber des marmornen Mausoleums Taj Mahal (“die Träne auf der Wange der Zeit”), Straßenchaos mit wilden Rikscharadlern, farbig leuchtenden Saris und zwingender Armut. So fremd und fern klangen die papiernen Boten, daß ich oft mit ungläubigem Erstaunen ihr junges Erscheinungsdatum zur Kenntnis nahm.
Die finale Zusage auf meine ungefähr ausgestreute Bewerbung als “Data Scientist” einer indischen Firma im Energiebereich verursachte eine gewisse Verlegenheit. In den Lebensläufen der hoffnungsvollen ‘young professionals’ meiner Generation ist Indien, anders als China, Hongkong, Usa, Japan, Singapur, Südkorea vielleicht, nicht unbedingt ein Pflichteintrag. Die Resonanz in meinem Freundeskreis bildete das Spektrum von verhaltener Zustimmung bis Ermutigung ab: Sigi wurde mein “Tatendrang zunehmend unheimlich”, Mark riet zur Bedachtsamkeit, Julia stimmte spontan ein indisches Wiegenlied an. Und Cordula und Michael gestalteten einen festlichen Indien-Abend mit ihren Bildern und Eindrücken von ’82.
In den nächsten Monaten werde ich selbst eintauchen in diese
vexierende Welt, werde meine eigene Spur neben die der Reiseführer legen. An meinen Erkundungen und Erfahrungen möchte ich mit diesen Beiträgen teilhaben lassen.